CD 1
CD 2 2017 • Organum Classics
Es ist Freude pur, wenn eine Produktion höchstes interpretatorisches Niveau mit besonderer dokumentarischer Leistung verbindet. Der jungen polnischen Organistin Anna Pikulska gelingt dies exemplarisch mit ihrem neuen Doppel-Album. Es bietet - dank eines klug ausgewählten Repertoire-Querschnitts und des herausragenden, wissenschaftlich fundierten Booklet-Textes - einen innovativen Blick auf die Bach- Forschung im Bereich Orgel. Zwei bedeutende Instrumente aus Bachs Lebensraum sind zu hören: die Trost-Orgel der Stadtkirche in Waltershausen sowie die berühmte Silbermann-Orgel im Freiberger Dom. An der Entstehung dieser Instrumente war Bach zwar nicht beteiligt, doch schätzte er nachweislich beide Orgelbauer sehr. Pikulska entlockt den Orgeln mit Stilsicherheit und gestalterischer Fantasie ein Maximum an individuellen Klangvarianten. (Für die Jury: Sabine Fallenstein)
Es ist erst einmal nichts Neues, Bachs Choralpartiten zu einem Album
zusammenzufassen; die vier Variationszyklen passen prächtig auf eine CD. Schon
etwas ungewöhnlicher ist es, sie mit zehn Präludien und Fugen zu kombinieren, von
denen nur zwei – G-Dur BWV 541 und h-Moll BWV 544 – zu den Lieblingsstücken
der Konzertprogramme gehören. Was das Doppel-Album der jungen Organistin Anna
Pikulska aber zu etwas Besonderem macht, ist zum einen die Instrumentenwahl: Die
Trost-Orgel in Waltershausen (1730/55) und Gottfried Silbermanns Freiberger
Domorgel (1714) werden hier samt ihrem Raumklang sehr schön porträtiert. Zum
anderen erfreut Pikulskas sorgfältiges, herrlich lebhaftes Spiel, das in den
Choralvariationen beide Orgeln beinahe respektlos als große Farbkästen behandelt.
Allein der Sound der Waltershausener Posaun-Bässe zu 16' und 32', wie Pikulska sie
in BWV 544 einsetzt, ist in seinem samtigen Tiefschwarz unvergesslich.
FONO FORUM 04/2018
Friedrich Sprondel
Die polnische Organistin Anna Pikulska stellt auf ihrer Doppel-CD choralgebundene und freie Orgelwerke Bachs vor, eingespielt an zwei herausragenden historischen Instrumenten der Bach-Zeit: der Trost-Orgel in Waltershausen (erbaut 1724-1755) und der Silbermann-Orgel in Freiberg (vollendet 1714, leicht verändert 1738). Damit erklingen hier zwei prominente dreimanualige Orgeln aus Bachs unmittelbarem Lebensraum Thüringen und Sachsen, deren Klangpotenziale Pikulska gekonnt ausschöpft und einander gegenüberstellt. Ihre Werkauswahl der vier Choralpartiten (mit Ausnahme von Sei gegrüßet, Jesu gütig BWW 768 aus Bachs Arnstädter Zeit) sowie Präludien und Fugen aus unterschiedlichen Schaffensphasen passt sie dabei dem jeweiligen Instrument an. Die farbenreichen Registrierungen und die mild intonierte Mixturterz leuchten in der transparenten und trockenen Akustik der Stadtkirche Waltershausen, was besonders den orchestral angelegten Partiten Christ, der du bist der helle Tag BWV 766 und Ach, was soll ich Sünder machen BWW 770 zugutekommt.
Im spätgotischen Freiberger Dom hingegen kann sich der majestätische Orgelklang mit seiner Brillanz und Gravität mühelos entfalten. Werke wie Präludium und Fuge G- Dur (BWW 541) scheinen wie geschaffen für Raum und Instrument. Pikulskas Spiel überzeugt durch feinsinnige Agogik, subtile Dosierung von Schwerpunktsetzungen und austarierte Phrasierungen.
Das umfangreiche Booklet lässt keine Wünsche offen. Neben detaillierten Angaben zur Interpretin und der durchdachten Werkauswahl für beide Instrumente findet man Kurzbeschreibungen und genaue Registrierungsangaben zu den einzelnen Stücken. Ergänzt werden diese durch informative Texte zu den Orgelbauern Silbermann und Trost sowie zum Orgelbau in Sachsen und Thüringen. Diese gelungene Produktion zeigt, wie stimmig Bachs Musik an "authentischen" Instrumenten klingen kann, vorausgesetzt, es vereinen sich wie hier ein schlüssiges Konzept mit einem musikalisch ansprechenden Interpretationsansatz.
Tobias Hermanutz ("Musik & Kirche" 2018/Nr. 2, S. 151)